Wie Schmerz funktioniert - Nozizeption

01.06.2016

 

Schmerzwissenschaften sind interessant und involvieren viele Bereiche von der Chemie bis zu den Kulturwissenschaften und vielem was dazwischen liegt. Es kann medizinisch kompliziert werden, aber ich versuche es so einfach und verständlich wie möglich zu halten ohne an Genauigkeit zu verlieren. Zunächst einige einfache Erklärungen wie Schmerz bemerkt und durch den Körper weitergeleitet wird.

 

 

Schmerzmechanismen

 

 

Wie jeder weiss gibt es endlose Verletzungen, Bedingungen und Krankheiten, die zu Schmerz führen können. Schmerz im großen Zeh bespielsweise kann  verschiedene Gründe haben, vielleicht hat man sich den Fuß an der Tür gestoßen, etwas darauf fallen lassen, sich den Zehennagel unvorsichtig geschnitten, ist von einer Schlange gebissen worden und so weiter.

Während die Möglichkeiten schier endlos sind liegen ihnen allen diesselben Mechanismen zugrunde, die das schmerzvolle Ereignis bemerken, übertragen und wahrnehmen.

 

Es gibt eine Vielfalt an Schmerzmechanismen, welche Erklärungsmuster für die unteschiedlichen Schmerzwahrnehmungen bieten, wie z.B. Nozizeption (womit wir beginnen), Neuropathischer Schmerz und Zentrale Sensibilisierung. Diese Meschanismem überschneiden sich und interagieren untereinander, die meisten Schmerzarten involvieren jedoch eine Kombination. 

 

 

Nozizeption - das Schmerzübertragungssystem 

 

 

Wenn man sich einen Knöchel verstaucht oder einen Muskel im unteren Rücken zerrt ist der Schmerz in den meisten Fällen unmittelbar. In diesen Fällen ist Schmerz akut, das heißt neu oder plötzlich. Akute schmerzen habe oftmals ihren Ursprung in der Nozizeption ( der Weg des Nervensystems potentielle Gefahr zu bemerken, weiterzuleiten und zu verarbeiten). Diese potentielle Gefahr wird von Nozizeptoren, einer Art von Nervenenden bemerkt, welche über den ganzen Körper verteilt sind.

 

Sobald die Nozizeptoren aktiviert sind, senden Sie über periphere Nerven Signale ans Rückenmark, welche dann zum Gehirn weitergeleitet werden. Die Signale werden in jeder Stufe der Übertragung verarbeitet, wobei das Hirn die bei weitem größte Rolle in der bewussten Wahrnehmung von Schmerzen spielt.

 

Nozizeptoren werden demnach oft als Schmerzrezeptoren bezeichnet, was nicht ganz richtig ist. Nozizeptoren nehmen tatsächlich die gleichen Signale wie andere Rezeptoren wahr ( Druck, Temperatur usw.), jedoch haben sie eine höhere Aktivierungsschwelle, was heißt das sie einen überdurchschnittlich starken Stimulus benötigen, um ein Signal ans Gehirn zu senden. Demnach könnte man sie auch als Gefahrenwarnungsnerven bezeichnen, die einem sagen, das etwas ernsthaftes passiert und unsere volle Aufmerksamkeit nötig ist. Nozizeptoren erfüllen somit eine Alarmfunktion für den Körper.

 

Nozizeptoren kann man in einige Hauptkategorien unterteilen :

 

Mechanisch: Mechanischer Druck ist sicherlich die häufigste Ursache von Schmerz. Wenn man sich den Knöchel verstaucht, werden die Bänder überdehnt, was mechanische Nozizeptoren auslösen kann.

 

 

Temperatur: Extreme Temperaturen sind ein weiterer üblicher Schmerzauslöser, wenn man etwas sehr heißes anfasst löst man Temperaturnozizeptoren aus, welche noch bevor man sich wirklich verbrennt Schmerz signalisieren können.

 

Chemisch: Chemikalien können ebenfalls Nozizeptoren auslösen. Wenn man beispielsweise eine Verletzung oder Infektion hat entzündet sich die betroffene Stelle. Eine Entzündung ist der erste wichtige Schritt im Heilungsprozess des Körpers- sie bringt Blut und benötigte Chemikalien zur beschädigten Stelle und unterstützt somit den Regenerationsprozess. Einiger dieser Chemikalien können Schmerz auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussen. Einige Chemikalien können Nozizeptoren aktivieren um Schmerz zu signalisieren ( manchmal sogar konstant !), während andere Chemikalien in der Lage sind, den Schwellenwert der Nozizeptoren herab zu setzen, was einen generell schmerzempfindlicher werden lässt. So erklärt sich , warum beispielsweise ein verletzter Körperteil bei der kleinsten Bewegung schmerzt. 

 

Im Allgemeinen kann man sagen das nozizeptiver Schmerz kausal erscheint, man kann eine Ursache erfassen ( es tut weh, weil das und das passiert ist ) und sein Verlauf ist vorhersehbar. Die meisten alltäglichen Schmerzen können durch die Mechanismen der Nozizeption erklärt werden. Dafür gibt es viele Beispiele : wenn man sich ein Knie stößt, wenn man Kaffee zu heiß trinkt und wenn man ( Beispiel für erhöhte Schmerzsensitivität bei Entzündung ) einen wunden Pickel anfasst.

 

Viele Schmerzmedikamente ( NSAIDS und Opiate) funktionieren indem sie die Chemikalien blocken, welche die Schmerzschwelle herabsetzen. Deshalb scheinen sie zu wirken, speziell bei nozizeptivem Schmerz. Dies ist jedoch nur ein Grund, warum etwas schmerzt also ist die Wirkung auf bestimmte Fälle beschränkt.

 

 

Nozizeption vs. Schmerz

 

Nozizeption endet nicht immer in Schmerz, ferner ist Nozizeption nicht der einzige Weg Schmerzen zu empfinden. Es gibt viele Fälle in denen man Nozizeptoren aktivieren kann ohne Schmerz wahrzunehmen ( im Sport beispielsweise). Das Gegenteil stimmt auch- es gibt Fälle in denen man Schmerz wahrnimmt ohne Nozizeption. Dafür gibt es viele Gründe für diese Ausnahmen, die ich in diesem Blog weiterhin besprechen möchte. 

 

Was zunächst wichtig ist, ist zu verstehen, das Schmerz nicht gleich Nozizeption ist. Darum ist es falsch Nozizeptoren Schmerzrezeptoren zu nennen, und Nozizeption Schmerzsignale. Nozizeption ist zusammenfassend gesagt  ein sensorisches Signal, welches potentiellen Schaden anzeigt. Schmerz ist eine bewußte Erfahrung, und ob Nozizeption am Ende als Schmerz wahrgenommen wird hängt von sehr viel mehr Faktoren ab.

 

tbc

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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